WIE ENTSTEHEN KRANKHEITEN?

In der ausgezeichneten Filmdokumentation von Mark Daniels
Das Geheimnis des Bienensterbens habe ich Grundmuster gefunden, die auch für das Entstehen von Krankheiten beim Menschen verantwortlich sein können. Dass uns diese Grundmuster nicht bewusst sind, hängt sehr wahrscheinlich damit zusammen, dass die einer krankhaften Entwicklung zugrundeliegenden Prozesse über relativ lange Zeiträume "schleichend" verlaufen und dadurch wichtige Zusammenhänge relativ schnell aus dem Blick geraten.

EXKURS BIENENSTERBEN

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Das Massensterben der Bienen - CCD (Colony Collapse Disorder) - begann im Zusammenhang mit den strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Um den damals stark gestiegenen Bedarf an Nahrungsmitteln befriedigen zu können, wurden erstmals Düngemittel und Pestizide, aber auch zunehmend Maschinen eingesetzt und die Landschaft systematisch dem Diktat der Ertragssteigerung unterworfen. Die bis dahin vorhandene natürliche Vielfalt wurde schrittweise durch Monokulturen ersetzt. Heute weiß man, dass der dramatische Rückgang der Blütendiversität auch negative Auswirkungen auf das Immunsystem der Bienen hat.

Aufgrund der zunehmenden Schwächung der Bienenvölker kam es dann nach 1980 weltweit zu einem verstärkten Befall durch die Varroamilbe. Die Imker setzten daraufhin vermehrt auf Kreuzungen mit Wildbienen und anderen Bienenvölkern, was allerdings zu einer epidemischen Verbreitung von Viren und Parasiten geführt hat.

Mit der Züchtung besonders leistungsstarker Honigbienen wurde die Negativspirale weiter verstärkt, da sich die "Gen-Pools" der Insekten immer ähnlicher werden, wodurch auch die Anfälligkeit für Krankheitserreger weiter zunimmt.

In den letzten 20 Jahren sind weitere Stressfaktoren für die Bienen hinzugekommen, insbesondere weil die Imker inzwischen zu immer mehr Mobilität gezwungen sind. Immer weniger Bienen bedeutet, die Bestäuber müssen zu Millionen und über weite Strecken transportiert werden, um den wachsenden Bestäubungsbedarf in den Regionen zu decken, wo die dringend benötigten Bienenpopulationen nicht mehr vorhanden sind.

Damit die Schwächung des Immunsystems nicht zum Kollaps der Bienenvölker führt, werden auch hier - wie in allen Bereichen der Massentierhaltung - immer mehr Antibiotika und andere Medikamente eingesetzt. Inzwischen konnte nachgewiesen werden, dass selbst bei nicht mehr messbaren Mengen an Pestiziden bzw. Chemikalien die sogenannten subletalen Auswirkungen indirekt zum Aussterben der Bienen beitragen. Kleinste Dosen führen bereits zu einer Störung der Navigationsfähigkeit, sodass die Insekten nicht mehr zu ihrem Stock zurückfinden.

Dass die Bienen aussterben, scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein - Experten gehen davon aus, dass es die seit über 80 Millionen Jahren lebenden Bestäuber in etwa 20 Jahren nicht mehr geben wird. Mit ihnen werden dann auch die evolutionär von ihnen abhängigen Pflanzen sowie unzählige Tierarten verschwinden, die damit ihre Nahrungsgrundlage verlieren. Die Konsequenzen, die sich aus diesem ökologischen Zusammenbruch für den Menschen ergeben, werden immens sein.

WIE SICH DIE BILDER GLEICHEN

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Das seit vielen Jahrzehnten fortschreitende Bienensterben zeigt in Bezug auf die diesem Prozess zugrundeliegenden Einflussfaktoren, eine Reihe auffälliger Ähnlichkeiten mit bzw. Parallelen zu den gesundheitlichen Entwicklungen innerhalb der Menschengemeinschaften. Dabei ist von großer Bedeutung, dass sich die einflussrelevanten Veränderungen, die letztlich zu einer nachhaltigen Schwächung der Organismen führen, über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinziehen.

Auch die Lebensbedingungen der Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten so dramatisch verändert, dass analog zu der systematischen Auszehrung und Schwächung, dem sogenannten

  • BURNOUT DER BIENEN auch ein existenzbedrohender

  • BURNOUT DER MENSCHEN stattfindet, der sich in vielen unterschiedlichen Krankheitsbildern zeigt.
Verschärft wird diese Entwicklung dadurch, dass sich die Gesundheitsversorgung in Deutschland zunehmend an ökonomischen statt an ethischen Kriterien orientiert. Eine von der Bertelsmann-Stiftung 2012 durchgeführte Untersuchung - dem Gesundheitsmonitor - ergab, dass knapp die Hlfte der Befragten Privatpatienten der Meinung war, dass es den rzten ums Geld und nicht um Gesundheit gehe. Die Zwei-Klassen-Medizin, unzumutbare Wartezeiten sowie das überbordende und weitestgehend unkontrollierte Verschreiben von Medikamenten sind weitere Beispiele, dass es um das Image der Ärzteschaft immer schlechter bestellt ist.

DIE WICHTIGSTEN PARALLELEN
ZWISCHEN DEM BURNOUT DER BIENEN UND DEM DER MENSCHEN:
  • Die systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen - Luft, Wasser, Böden, Wälder, Reduzierung der Artenvielfalt hat auch für den Menschen einen Cocktail an lebensbedrohlichen Stressfaktoren entstehen lassen.
  • Naturferne Lebensweise (mehr dazu hier…)
  • Zunehmende Überforderung (immer mehr Leistung muss in immer kürzerer Zeit erbracht werden).
  • Die exponentielle Zunahme der Komplexität führt zu Orientierungsdefiziten (Informationsflut, Globalisierung etc.).
  • Zunehmende Ausbeutung in der Arbeitswelt (Leiharbeiter, befristete Arbeitsverhältnisse etc.).
  • Unsichere Arbeitsverhältnisse beschädigen die soziale und gesundheitliche Entwicklung der Bevölkerung (weniger Kinder, immer mehr Menschen leiden unter Depression).
  • Ungesunde Ernährung (Fast Food, stressbedingter Verfall des gesunden Essverhaltens).
  • Veränderungen der Nahrungsmittel (immer mehr Lebensmittelskandale, Gentechnik, industrielle Landwirtschaft).
  • Zunehmender und unkontrollierter Konsum von Drogen, Alkohol, Zigaretten und Medikamenten.